Dokumentarfilm „SEXarbeiterin“

Wie es dazu kam

Januar 2014 fand ich eine wahrhaft unübliche Anfrage in meiner Mailbox: Sobo Swobodnik, Regisseur mehrerer preisgekrönter Dokumentarfilme für’s Kino hatte mich ein paar Monate vorher auf der Couch bei Günther Jauch gesehen und wollte wissen, ob ich Interesse daran hätte, mich über mehrere Monate für einen Dokumentarfilm begleiten zu lassen. Nach diversen E-Mail-Wechseln, Gesprächen und nachdem ich einige seiner anderen Filme gesehen hatte (und besonders von Der Papst ist kein Jeansboy schwer begeistert war), stand mein „Ja“.

Es folgten: mehrere Monate Vorbereitung und Crowdfunding, dann von Juni bis Oktober 2014 immer wieder Dreharbeiten. Im Februar 2015 habe ich das Produkt selbst zum ersten mal in einer Rohfassung zu Gesicht bekommen. Ich war berührt, wie gut es einem Team von Menschen, die mich noch ein Jahr vorher gar nicht kannten, gelungen war, mein Leben so einzufangen, dass ich meinen eigenen Blick darauf darin so stark wiedergefunden habe. Im Juni 2015 war der Film fertig, im Januar 2016 beim Horizontale Filmfestival in Konstanz als Eröffnungsfilm zum ersten Mal auf großer Leinwand zu sehen, im März 2016 lief er für einige Wochen in deutschen Kinos, in vielen Städten begleitet von Podiumsdiskussionen mit Politikern, Experten zum Thema Sexarbeit vor Ort, dem Regisseur und mir.

Synopsis

Prostitution, Sexarbeit, horizontales Gewerbe sind wie keine andere Berufsbranche von Klischees, Stereotypen und Ressentiments geprägt. In den Medien, vor allem des Boulevards, spielen im Diskurs um Sexarbeit in der Regel ausschließlich Zwangsprostituierte, drogenabhängige oder missbrauchte Sexarbeiterinnen eine Rolle. Dabei werden Sexarbeiterinnen nahezu immer als Opfer dargestellt. Dass es darüber hinaus auch andere Sexarbeiterinnen gibt, die freiwillig und selbständig der Sexarbeit nachgehen, zeigt der Film Sexarbeiterin von Sobo Swobodnik. Der Film begleitet die studierte Informatikerin und Berliner Sexarbeiterin Lena Morgenroth über mehrere Monate hinweg durch ihr Leben, bei ihrer Arbeit und im „ganz normalen“ Alltag. Dabei entstand ein vielseitiges menschliches Porträt einer Sexarbeiterin, im Kontext von Familie, Freunden und Partnerschaft, als Teil der erstarkenden politischen Bewegung der selbstbestimmten Sexarbeiter_innen und bei ihrer tatsächlichen Sexarbeit.

Trailer

Soundtrack

Der Titelsong „Precious Body“ wurde extra für den Film geschrieben und produziert. Die Musik stammt von Elias Gottstein, den Text habe ich zusammen mit Ines Theileis geschrieben, die das Lied auch eingesungen hat. Auf dem Fetisch Film Festival Kiel 2016 haben wir damit den Publikumspreis für den besten Song gewonnen. Die Lyrics gibt’s im Blog zum Nachlesen, das Lied gibt’s zum Download bei Amazon, Google Play und iTunes und den Clip zum Anschauen auf Youtube:

DVD

Inzwischen gibt’s den Film (96min, ab 18 Jahre, deutsch mit wahlweise englischen Untertiteln) auch auf DVD – sie kann bei Partisan Filmverleih direkt online bestellt werden. Die DVD enthält im Bonusmaterial zusätzlich noch 76min Werkstattgespräch „Das verachtete Andere“, in dem Sozialwissenschaftlerin Prof. Dr. Kathrin Schrader, Soziologin Elfriede Steffan, Domina Emma Steel, Stadtforscherin Jenny Künkel und ich auch über Themen diskutieren, die im eigentlichen Film zu kurz kommen: verschiedene Lebensrealitäten in der Sexarbeit, das Verhältnis von Sexualität und Sexarbeit, Feminismus und Sexarbeit, sowie Sexarbeit als Arbeit.

Öffentliche Aufführungen

Kinotermine sind inzwischen selten, finden sich aber jeweils aktuell in dieser Übersicht. Die Rechte liegen bei einem kleinen, alternativen Filmverleih, der gerne kontaktiert werden kann und sich bemüht, passende Konditionen nicht nur für Kinos sondern auch für einzelne Veranstaltungen zu finden.

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